Pandemie verschlechtert Krankheitsverlauf depressiv Erkrankter



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09.02.2022 13:13

Pandemie verschlechtert Krankheitsverlauf depressiv Erkrankter

Ursachen sind schlechtere medizinische Versorgung und veränderter Lebensstil durch Pandemie und die damit einhergehenden Maßnahmen

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Plötzlich gesund

Fortschreitende Naturerkenntnis, ganz allgemein gesprochen, ‘Wissenschaft’, ist der stärkste Feind des medizinischen Wunders. Was unseren Vorfahren als Wunder erschien, was einfache Naturvölker heute noch in heftige Erregung versetzt, das berührt den zivilisierten Menschen längst nicht mehr.
Doch es gibt einen Gegensatz, der jedem Denkenden sofort auffällt: der unerhörte, durchaus nicht abgeschlossene Aufstieg der wissenschaftlichen Heilkunde und die ebenso unerhörte Zunahme der Laienbehandlung und der Kurpfuscherei. Man schätzt die Zahl der Menschen, die der Schulmedizin kein Vertrauen schenken, auf immerhin 50 Prozent.
Wie kann es sein, daß Laienbehandler und Kurpfuscher immer wieder spektakuläre Erfolge aufweisen, von denen die Sensationspresse berichtet?
Der Autor geht dieser Frage nach und kommt zu interessanten Erkenntnissen, aus denen er Vorschläge für eine bessere Krankenbehandlung durch seine ärztlichen Standesgenossen ableitet.

Hier geht es weiter …

Leipzig, 9. Februar 2022 – Gerade im „Frontiers of Psychology“ veröffentlichte Studiendaten der Stiftung Deutsche Depressionshilfe zeigen, dass die Pandemie und die damit einhergehenden Einschränkungen den Krankheitsverlauf bei der Hälfte der Patienten mit Depression verschlechtern. Diese negative Entwicklung der Depression hängt sowohl mit den pandemiebedingten Einschränkungen der medizinischen Versorgung für depressiv Erkrankte zusammen als auch mit dem durch Corona veränderten Lebensstil. Die Analyse basierte auf den Daten aus dem Deutschland-Barometer Depression – einer repräsentativen Befragung der deutschen Bevölkerung im Alter von 18-69 Jahren (5.135 Befragte, darunter 1.038 Personen, die an Depressionen litten) im Februar 2021.

Schlechtere medizinische Versorgung führt zu ungünstigen Krankheitsverläufen

Die Ergebnisse zeigen: 49 % der Befragten mit diagnostizierten Depression gaben an, dass sich die Maßnahmen gegen die Pandemie negativ auf ihre depressive Erkrankung ausgewirkt haben (neue depressive Episode, Verschlimmerung der Symptome, Suizidimpulse, Suizidversuch und andere negative Folgen). Bei den Umfrageteilnehmern, die aufgrund einer aktuellen depressiven Krankheitsphase besonders behandlungsbedürftig waren, berichten 56% von Einschränkungen in ihrer medizinischen Versorgung. Von ihnen gaben wiederrum 70 % auch eine Verschlimmerung ihrer depressiven Erkrankung an. Dies war ein deutlich höherer Prozentsatz als bei denjenigen, die keine Beeinträchtigung des Zugangs zur medizinischen Versorgung feststellten (36%).

Fehlende Tagesstruktur und verlängerte Bettzeiten ungünstig bei Depression

Von denjenigen, die über Veränderungen im Lebensstil während der Pandemie berichteten, gaben 58 % eine Verschlimmerung ihrer depressiven Erkrankung an. Auch dies war ein deutlich höherer Prozentsatz als bei denjenigen, die keine der genannten Verhaltensweisen aufwiesen. Am häufigsten trat eine Verschlechterung der depressiven Erkrankung bei denjenigen auf, die eine fehlende Tagesstruktur oder verlängerte Zeiten im Bett angaben (67 %). Personen, die Bewegungsmangel angaben, berichteten ebenso von einer Verschlechterung ihrer depressiven Erkrankung (59 %).

Die Studie weist darauf hin, dass es durch die Maßnahmen gegen Covid-19 bei geschätzt mehr als zwei Millionen Menschen zu einer Verschlechterung der schweren, oft lebensbedrohlichen Erkrankung Depression gekommen ist. Dieses immense Leid muss bei der Nutzen-Risiko-Abwägung von Pandemiemaßnahmen berücksichtigt werden.


Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Stiftung Deutsche Depressionshilfe
Forschungszentrum Depression

Dr. Andreas Czaplicki

Stiftung Deutsche Depressionshilfe
c/o Universitätsklinikum Frankfurt/M.
Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie
Heinrich-Hoffmann-Str.10
60528 Frankfurt

andreas.czaplicki@deutsche-depressionshilfe.de


Originalpublikation:

https://doi.org/10.3389/fpsyg.2022.789173


Weitere Informationen:

https://www.deutsche-depressionshilfe.de/forschungszentrum/deutschland-barometer…


Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wissenschaftler, jedermann
Ernährung / Gesundheit / Pflege, Gesellschaft, Medizin, Psychologie
überregional
Forschungsergebnisse
Deutsch


Quelle: IDW