Trotz hoher Studienkosten: Mindestens 7.500 Deutsche studieren Medizin im Ausland



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25.03.2024 09:00

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Plötzlich gesund

Fortschreitende Naturerkenntnis, ganz allgemein gesprochen, ‘Wissenschaft’, ist der stärkste Feind des medizinischen Wunders. Was unseren Vorfahren als Wunder erschien, was einfache Naturvölker heute noch in heftige Erregung versetzt, das berührt den zivilisierten Menschen längst nicht mehr.
Doch es gibt einen Gegensatz, der jedem Denkenden sofort auffällt: der unerhörte, durchaus nicht abgeschlossene Aufstieg der wissenschaftlichen Heilkunde und die ebenso unerhörte Zunahme der Laienbehandlung und der Kurpfuscherei. Man schätzt die Zahl der Menschen, die der Schulmedizin kein Vertrauen schenken, auf immerhin 50 Prozent.
Wie kann es sein, daß Laienbehandler und Kurpfuscher immer wieder spektakuläre Erfolge aufweisen, von denen die Sensationspresse berichtet?
Der Autor geht dieser Frage nach und kommt zu interessanten Erkenntnissen, aus denen er Vorschläge für eine bessere Krankenbehandlung durch seine ärztlichen Standesgenossen ableitet.

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Trotz hoher Studienkosten: Mindestens 7.500 Deutsche studieren Medizin im Ausland

Bei der Diskussion um das Medizinstudium und den Hausärztemangel in Deutschland werden die deutschen Studierenden im Ausland weitgehend ignoriert. Dabei macht ihr Anteil an allen deutschen Medizinstudierenden etwa acht Prozent aus. Expert*innen des CHE schätzen die Personenzahl auf mindestens 7.500. Dies zeigt eine aktuelle CHE Publikation, die Zulassungsbedingungen und Studienkosten für 86 internationale Medizinstudiengänge an 84 europäischen Hochschulen aufführt.

Mindestens jede*r zwölfte deutsche Medizinstudierende ist im Ausland eingeschrieben

Humanmedizin gehört zu den beliebtesten Studienfächern in Deutschland, ist aber bundesweit zulassungsbeschränkt. Auch deshalb suchen viele Studieninteressierte nach Studienangeboten im Ausland. Der aktuelle CHECK „Medizinstudium in Europa“ des CHE Centrum für Hochschulentwicklung gibt einen detaillierten Überblick über die verfügbaren Angebote.

Österreich und Ungarn gehören dabei zu den stark nachgefragten Ländern bei deutschen Medizinstudierende im Ausland. 2021 waren an österreichischen Hochschulen 2.585 deutsche Studierende in einem Medizinstudiengang eingeschrieben. In Ungarn waren es 2.051 deutsche Studierende. Ebenfalls beliebt sind Polen (859), Tschechien (422), Großbritannien (421) und Litauen (413).

Eine Gesamtzahl deutscher Medizinstudierenden in Europa zu berechnen ist allerdings nicht möglich, da die Zahlen für einige Länder, wie etwa Italien oder Bulgarien, nicht vorliegen. Eine Schätzung der CHE Expert*innen auf Grundlage der verfügbaren Daten des Statistischen Bundesamtes geht aber von mindestens 7.500 Studierenden aus. Dies entspräche einem Anteil von mindestens 8 Prozent aller deutschen Medizinstudierenden insgesamt.

Keine Erkenntnisse über den Verbleib der Absolvent*innen trotz Fachkräftemangel

„Noch lückenhafter als die Datenlage zu den aktuellen Medizinstudierenden im Ausland ist die zu deren Verbleib nach dem Studium“, konstatiert Gero Federkeil. „Zwar haben einige internationale Hochschulen in unserer Befragung angegeben, dass die Mehrzahl ihrer deutschen Absolvent*innen nach Deutschland zurückgekehrt sind, aber diese Angaben können nicht generalisiert werden. Selbst die für die Anerkennung und Approbation zuständigen Länderbehörden in Deutschland haben nahezu flächendeckend keine Informationen und Daten über die Anerkennung eines Studiums von Deutschen im Ausland“, so der Leiter internationale Projekte beim CHE.

Angesichts des Fachkräftemangels im Medizinbereich sei es bemerkenswert, dass die mindestens 7.500 deutschen Studierenden im Ausland in der Diskussion kein Thema zu sein scheinen. Aktuell fordern die Bundesärztekammer und das Gesundheitsministerium rund 6.000 zusätzliche Medizinstudienplätze in Deutschland, um den Bedarf langfristig zu decken. In einigen Bundesländern werden sogenannte „Landarztmodelle“ eingesetzt. Bei diesen erhalten Studieninteressierte einen Medizinstudienplatz, wenn sie sich verpflichten, später als Hausarzt in ländlichen Regionen tätig zu werden.

Studiengebühren von bis zu 29.800 Euro pro Jahr für ein Medizinstudium im Ausland

Für den „CHECK Medizinstudium in Europa“ haben Gero Federkeil und Caroline Friedhoff die Studienbedingungen von 86 Medizinstudiengängen in Europa zusammengetragen, die sich auch oder speziell an internationale Studierende richten. Hierbei gibt es eine kompakte Übersicht über das Studienangebot in Österreich, Italien, der Schweiz und den Niederlanden sowie detaillierte Übersichten für 44 Studienangebote in elf Ländern in Südosteuropa.

Besonders groß sind die Unterschiede im internationalen Vergleich bei den Studiengebühren. Die Preisspanne reicht von etwa 3.000 bis zu 29.800 Euro pro Studienjahr. „Bei einer Studiendauer von durchschnittlich sechs Jahren sind das Kosten von bis zu 178.800 Euro allein für Studiengebühren“, bilanziert Caroline Friedhoff. „Für eine solche Investition sollten alle Angebote und Kosten, etwa auch die je nach Land unterschiedlichen Lebenshaltungskosten verglichen werden“, rät die Studienautorin des CHECKs.

Die länderspezifischen Lebenshaltungskosten sind in der aktualisierten Übersicht des CHE Ratgebers dabei ebenso aufgeführt, wie Bewerbungsfristen und Informationen zu den Zulassungsverfahren.

Die meisten internationalen Medizinstudiengänge in Südosteuropa werden in englischer Sprache angeboten, deutschsprachige Angebote gibt es u. a. in Ungarn und Kroatien. Für die klinische Ausbildung sind dann im späteren Verlauf des Studiums in der Regel Kenntnisse der jeweiligen Landessprache erforderlich.

Die Zulassung für einen Studienplatz erfolgt meist über einen kostenpflichtigen Aufnahmetest. Oft müssen zudem für die Bewerbung Nachweise über sehr gute Noten in naturwissenschaftlichen Fächern sowie entsprechende Englischkenntnisse erbracht werden.

Über die Publikation
Der „CHECK Medizinstudium in Europa – Angebote und Zugangsbedingungen für deutsche Studieninteressierte – Ausgabe 2024“ bietet einen Überblick über das internationale Angebot an Studiengängen der Humanmedizin für deutsche Studierende. Er umfasst Informationen zum nationalen Medizinstudium an 42 Hochschulen in Österreich, Italien, der Schweiz und den Niederlanden. Darüber hinaus gibt es eine detaillierte Darstellung für 44 Studienangebote in Südosteuropa, die sich speziell an internationale Medizinstudierende richten. Die Übersicht beinhaltet 42 Hochschulen aus Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Slowakei, der Tschechischen Republik, Ungarn und Zypern. Der CHECK beinhaltet Informationen zu Studiengebühren, Studiendauer, Studienaufbau und -abschluss, Unterrichtssprache, Anzahl der Studienplätze, Besonderheiten und nationalen Lebenshaltungskosten. Neben den wichtigsten Links gibt es kompakt gebündelte Informationen zum Zulassungsverfahren und der Bewerbungsfrist für das nächste verfügbare Studienangebot. Stichtag der Erhebung war März 2024. Autor*innen des CHECKs sind Gero Federkeil und Caroline Friedhoff.


Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Gero Federkeil
Leiter internationale Projekte
CHE Centrum für Hochschulentwicklung
Tel. 05241 9761-30
E-Mail gero.federkeil@che.de

Caroline Friedhoff
Senior Projektmanagerin
CHE Centrum für Hochschulentwicklung
Tel. 05241 9761-28
E-Mail caroline.friedhoff@che.de


Originalpublikation:

Federkeil, Gero; Friedhoff, Caroline: CHECK Medizinstudium in Europa – Angebote und Zugangsbedingungen für deutsche Studieninteressierte – Ausgabe 2024, Gütersloh, CHE, 2024, ISBN – 978-3-911128-07-0, 105 Seiten


Weitere Informationen:

https://www.che.de/download/check-medizinstudium-international-2024/ – Link zur Publikation „CHECK Medizinstudium in Europa – Angebote und Zugangsbedingungen für deutsche Studieninteressierte – Ausgabe 2024“
https://www.che.de/download/medizinstudium/ – Informationen zum Auswahlverfahren an deutschen Hochschulen für Studierende


Bilder


Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wissenschaftler, jedermann
Medizin
überregional
Forschungsergebnisse, Studium und Lehre
Deutsch


 

Quelle: IDW