Hands off: Abgehackte Hände als grausame Kriegstrophäe in altägyptischem Palast vergraben



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12.04.2023 09:00

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Plötzlich gesund

Fortschreitende Naturerkenntnis, ganz allgemein gesprochen, ‘Wissenschaft’, ist der stärkste Feind des medizinischen Wunders. Was unseren Vorfahren als Wunder erschien, was einfache Naturvölker heute noch in heftige Erregung versetzt, das berührt den zivilisierten Menschen längst nicht mehr.
Doch es gibt einen Gegensatz, der jedem Denkenden sofort auffällt: der unerhörte, durchaus nicht abgeschlossene Aufstieg der wissenschaftlichen Heilkunde und die ebenso unerhörte Zunahme der Laienbehandlung und der Kurpfuscherei. Man schätzt die Zahl der Menschen, die der Schulmedizin kein Vertrauen schenken, auf immerhin 50 Prozent.
Wie kann es sein, daß Laienbehandler und Kurpfuscher immer wieder spektakuläre Erfolge aufweisen, von denen die Sensationspresse berichtet?
Der Autor geht dieser Frage nach und kommt zu interessanten Erkenntnissen, aus denen er Vorschläge für eine bessere Krankenbehandlung durch seine ärztlichen Standesgenossen ableitet.

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Hands off: Abgehackte Hände als grausame Kriegstrophäe in altägyptischem Palast vergraben

Ein Anthropolog:innenteam des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) führte erstmals osteologische Untersuchungen an 12 abgehackten Händen durch und liefert Erkenntnisse zu einem bisher nur aus bildlichen Darstellungen bekannten Kriegsakt des pharaonischen Ägyptens. Die 12 rechten Hände waren bei Ausgrabungen in einem Palast der Hyksoszeit (ca. 1640-1530 v.Chr.) im nordöstlichen Nildelta entdeckt worden und stammen von 11 männlichen und einer wahrscheinlich weiblichen Person im jungen Erwachsenenalter. Die Untersuchungen zeigen, dass die Hände vermutlich nach dem Tod der Personen abgetrennt und anschließend sauber präpariert und rituell im Vorhof des Thronsaals deponiert wurden.

Das Abhacken der rechten Hand ist in vielen Kulturen und Zeiten ein Akt der Bestrafung und Machtdemonstration. Schon im Alten Ägypten finden sich in Gräbern hoher Militärs oder auf Tempelwänden Darstellungen, in denen dem Pharao die abgeschlagenen Hände der besiegten Feinde präsentiert werden. Es sind stereotype Szenen der Kriegssymbolik, die große Haufen menschlicher Hände zeigen. Bei Ausgrabungen in der ehemaligen Hyksos-Hauptstadt Avaris/Tell el-Dab’a stieß ein Grabungsteam des Österreichischen Archäologischen Instituts (ÖAI) unter der Leitung von Prof. Dr. Manfred Bietak 2011 zum ersten Mal tatsächlich auf 12 abgetrennte rechte Hände, verteilt auf drei Gruben im Vorhof des Thronsaals. Die Hände waren mit weit gespreizten Fingern meist mit der Handfläche nach unten vergraben worden. Doch die Details von wem die Hände stammen, wie der Akt der Verstümmlung vollzogen wurde und wie die Hände anschließend behandelt wurden, blieben bisher unklar.

Umfangreiche Untersuchungen des Labors für prähistorische Anthropologie des DAI unter Leitung von Dr. Julia Gresky liefern nun erstmals fundierte Erkenntnisse. „Wir konnten zeigen, dass die Hände nach dem Tod vermutlich noch auf dem Schlachtfeld abgehakt wurden. Anschließend hat man sie sauber präpariert und von möglichen Resten des Unterarms befreit. Dies erfolgte mir größter Sorgfalt ohne Schäden an den Handknochen selbst zu verursachen“, so Julia Gresky. Für die rituelle Bestattung im Palast wurden die Finger weit gespreizt. Dies sollte die Hände – und somit die besiegten Feinde – noch eindrucksvoller und größer aussehen lassen und dem klassischen Prototyp einer Hand entsprechen. Die Anordnung der Hände zeigt hingegen kein besonderes Muster. Manche waren einzeln, mache lagen in einer kleineren Gruppe übereinander. ¬

Höchstwahrscheinlich wurden die Hände als Kriegstrophäen im Rahmen einer öffentlichen Zeremonie dem Pharao präsentiert und anschließend vergraben. Da die körperliche Unversehrtheit in der altägyptischen Sicht des Jenseits überlebenswichtig war, fügt die Verstümmelung des Opfers diesem Akt der Dominanz eine tiefere Dimension hinzu.

Nature Artikel
Gresky, J., Bietak, M., Petiti, E. et al. First osteological evidence of severed hands in Ancient Egypt. Sci Rep 13, 5239 (2023). https://doi.org/10.1038/s41598-023-32165-8


Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Dr. Julia Gresky
Julia.gresky@dainst.de
0172 1475581


Originalpublikation:

https://doi.org/10.1038/s41598-023-32165-8


Bilder

Abgehackte Hand mit gespreizten Fingern und Handfläche nach unten während der Ausgrabung

Abgehackte Hand mit gespreizten Fingern und Handfläche nach unten während der Ausgrabung
Manfred Bietak
Österreichisches Archäologisches Institut

Elf von insgesamt 12 Händen während der Ausgrabung 2011

Elf von insgesamt 12 Händen während der Ausgrabung 2011
Manfred Bietak
Österreichisches Archäologisches Institut


Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Studierende, Wissenschaftler, jedermann
Geschichte / Archäologie, Medizin
überregional
Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
Deutsch


 

Quelle: IDW